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Winterwanderung Gustenfelden-Wildenbergen-Leuzdorf-Kottensdorf

In diesem Jahr führte die traditionelle Winterwandung von Herbert Kraus nur ganz knapp über die Grenzen von Schwabach hinaus und fast wieder dorthin zurück.

Die Organisation der diesjährigen Winterwanderung stand unter dem Eindruck des vergangenen Jahres: scheinbar war der Weg in den weltweit einzigen Luftkunstort zu weit und deshalb war der Februartermin 2018 nur schwach besucht. Auch wenn alle, die dabei waren, Amberg und die Führung als großartig empfunden haben.

So hatte unser treuer Wanderführer Herbert Kraus beschlossen, den Weg kurz zu halten und verlegte den Startpunkt nur wenige hundert Meter vor die Tore der Stadt Schwabach: ins von Hofläden geprägte Gustenfelden. Und so folgten dann auch 23 Erwachsene und fünf Kinder dem Ruf zum Kennenlernen der Heimat (und zu etwas gesunder Bewegung).

Auch wenn die Läden Gustenfeldens mit Mühlenprodukten, Wurstwaren und frischen Eiern lockten ließen wir sie doch links liegen und marschierten direkt vom Parkplatz aus gen Wildenbergen. Bei kalten Temperaturen um den Gefrierpunkt wähnte der Eine oder Andere bereits einen unangenehmen Marsch - weit gefehlt: pünktlich zum Aufbruch gegen 10 Uhr erbarmte sich der Himmel, die Wolkendecke riss auf und es blieb den ganzen Tag über trocken und meist auch sonnig.

Als erfahrener Wanderer und Wanderführer hatte Herbert seine Gruppe stets im Blick. Wenn die Vorhut zu großen Abstand zu den letzten Läufern bekam, hieß er kurz Halt machen und sobald alle aufgeschlossen hatten ging es entweder weiter, oder, was noch spannender war, packte er Geschichten aus. Meist handelten sie von seinem Großvater, der in der Nachkriegszeit im Schwabacher Umland unterwegs war, um hier und dort ein Tabakblatt "mitgehen zu lassen" oder um seinem Enkel die Gegend zu zeigen. In Wildenbergen konnte man zwar nicht mehr Schlittenfahren oder Rodeln, der Spielplatz wurde aber kurz und jauchzend von den minderjährigen Mitreisenden genutzt.

Lang konnte man sich aber nicht aufhalten - die Familie Ostertag in Leitelshof erwartete uns schließlich. Freundlich wurden wir zuerst von den jüngeren, männlichen Alpakas und dann auch von Herrn und Frau Ostertag empfangen. Vor einigen Jahren standen die ehemaligen Milchvieh-Halter vor der Entscheidung um die Zukunft ihres Hofes und entschieden sich gegen die weitere Zusammenarbeit mit den Rindviechern. Aber was tun, mit den Weiden? Nach einigem Hin und Her wurden es schließlich Neuwelt-Kameliten, die (der Name lässt es ahnen) mit den Kamelen verwand sind. Aufgrund ihrer begehrten Wolle und ihres friedlichen und ruhigen Charakters entschieden sich die Leitelshofer für Alpakas und gegen Lamas. Zwar können, wie einige unserer Mitglieder berichten können, auch Alpakas "spuken" - allerdings geht es ihnen dabei meist nur um die Herdeninterne Fress-Ordnung. Sehr geduldig und äußerst detailiert gingen Ostertags auf alle Fragen ein und ermöglichten es unseren Jünsten, mit dem Lieblingsfutter die Alpakas mit der Hand zu füttern. Ein tolles Erlebnis!

"Leider" waren die kuscheligent Tiere, deren Wolle einmal im Jahr geschoren, sortiert, gekämmt, gesponnen oder gefilzt wird, sehr interessant ... und wir hielten uns deutlich länger auf, als geplant. Familie Ostertag lässt die äußerst wärmenden Wollfasern (sie sind innen hohl) zu Wolle spinnen und diese auf Anfrage auch zu Bettwaren wie z. B. Babyschlafsäcken verarbeiten. vertrieben werden die ungefärbten Wollstränge ausschließlich in Direktvermarktung (Telefon 09122/ E-Mail alpakahof_ostertrag@yahoo.de). 100g Wolle naturfarben - weiß bis dunkelbraun - kosten 15 €, eine Bettdecke 135cm x 200cm kostet ca. 300 €, ist ökologisch nachhaltig, gibt keine Microplastikfasern ab und hält sehr lange. Ostertags freuen nach Absprache sich immer über Besuch und nehmen gerne auch Neugierige mit zu den Tieren hinein; mit den Tieren spazieren gehen kann man nicht.

Aber leider können auch die wärmsten Alpakahaare keine Schuhsolen ersetzen, Reiner hätte es Ihnen hunderfach gedankt! Den Weg durch das "Schlüchtchen" hinab nach Leutzdorf musten wir deshalb etwas rascher bewältigen - gut, dass die Kinder immer Matschpfützen, Eisflächen, Steine u. ä. als Antrieb fanden und von Attraktion zu Attraktion rennen konnten.

Im Gasthaus "Zum goldenen Hammer" nahm man uns die Verspätung zum Glück nicht krumm und die vorbestellten Schnitzel, Karpfen und Schweinebraten waren allesamt noch heiß und köstlich! Nun aber schnell zu unserem Folgetermin. Von Leutzdorf wanderten wir entlang der Schwabach gen Kottensdorf. Die Familie Brechtelsbauer, immerhin in der vierten Generation Müller, erwarteten uns bereits. Leider waren wir eigentlich zu spät zum letzten Mahlen, aber Hans Brechtelsbauer und seine Frau Ingrid hatten extra für uns nochmal Vollkornmehr (bzw. die dafür notwendigen Dinkelkörner) vorbereitet.

Der Vollblutmüller, dessen Betrieb u. a. die Bäckereien Sprossmann und Distler mit heimischen Mehlen genau nach deren Vorgaben beliefert, zeigte uns stolz seine Mühle vom Einlasstrichter über die Reinigungs-Einrichtungen bis hin zu den Sieben, Rohren und Mühlstöcken alles ganz genau. Dabei ging er auf langjährige, gewachsene Partnerschaften zwischen Landwirten, dem Müller und seinen Kunden ein und sprach, fast schon ein wenig romantisch, von den Unterschieden der Mehlsorten. Wer weiß denn schon, was sich hinter den Zahlen auf dem Mehl verbirgt? 405er oder doch lieber 1050er? Die Bürgertreffler wissen jetzt, dass diese Zahlen den Mineralstoffgehalt angibt, also das, was übrig bleibt, wenn Eiweiß, Fett und Zucker verbrannt sind. Vollkornmehr hat hier sehr viel mehr "zu bieten" als Weißmehl aus geschliffenen Getreidekörnern und trägt deshalb immer die höhere Zahl.

Gegen 16:00 Uhr verließen wir die Mühle, nicht ohne einen Schluck "Schluss-Spurt" von Herbert erhalten zu haben, und wanderten das kurze Stück zurück zu unseren Fahrzeugen. Beglückt, erschöpft kein bißchen frierend verabschiedeten wir uns voneinander und freuen uns schon auf's nächse Mal, wenn es heißt: Februar heißt Winterwandern mit Herbert Kraus.

Vielen Dank an Familie Ostertag, Familie Brechtelsbauer und natürlich an Herbert Kraus!

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